1979

erhält die Bildungsanstalt per Erlass den Namen "Berufliche Schulen des Landes Schleswig-Holstein in Flensburg - Sozialwirtschaft und Sozialpädagogik".

Sie wächst weiter auf mehr als 500 Vollzeitschülerinnen und -schüler und mehr als 50 Lehrkräfte.

Die PH soll einen Neubau erhalten. Bis zur letzten Steckdose wird vom Kollegium der Umbau des PH-Gebäudes zum neuen Schulgebäude geplant. Der PH-Neubau wird gestoppt, und im Mai schließen die Stadt Flensburg und das Land eine Vereinbarung, wonach der 3. Bauabschnitt des Neubaus der Gewerblichen Beruflichen Schule vom Land für die staatliche Schule gebaut werden soll. Mit dem Bezug des Gebäudes sollen nach dieser Vereinbarung die Berufsfelder X, XI, und XII sowie die aus der ehemaligen Frauenberufsschule hervorgegangenen Bildungsgänge an die Landesschule umgegliedert werden.


1989

genehmigt nach fast zweijährigem Warten das Ministerium der Schule, den Namen der Politikwissenschaftlerin, Soziologin und Philosophin Hannah Arendt zu tragen.

Hannah Arendt zählt zu den bedeutenden Frauen des 20. Jahrhunderts; sie hat eine auch an äußeren Ereignissen reiche Biographie. Einzige Tochter jüdischer Eltern studierte sie bei Heidegger, Bultmann und Husserl, promovierte bei Karl Jaspers, lernte Walter Benjamin und Hans Jonas kennen.

1933 wurde Hannah Arendt nach einer Hausdurchsuchung von der Gestapo vorübergehend festgenommen. Aus der Haft entlassen, floh sie nach Paris, wo sie einer Organisation vorstand, die jüdische Waisenkinder nach Palästina brachte; nebenher studierte sie europäische Geschichte. 1940 gelangte sie noch eben rechtzeitig nach New York und wurde sofort wieder politisch aktiv und heiratete Heinrich Blücher , der später Philosophieprofessor am Bard College wurde. 1944 bis 1946 leitete sie die Forschungsarbeiten der Konferenz für jüdische Beziehungen; von 1949 bis 1952 arbeitete Hannah Arendt als Sekretärin der Jewish Cultural Reconstruction Inc., die unter dem Nationalsozialismus verlorengegangenes jüdisches Schrifttum sucht und sammelt. Danach lebte sie als freie Schriftstellerin mit gelegentlichen Gastprofessuren und Gastvorlesungen an amerikanischen Universitäten.

Im In- und Ausland wurde ihr Name bekannt durch ihr Standardwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951; deutsch 1955). 1958 erschien die bereits 1933 nahezu vollendete Biographie von Rahel Varnhagen, einer der bedeutenden Frauen der ausgehenden Goethezeit. An ihrem Schicksal stellt Hannah Arendt die Tragödie des deutschen Judentums exemplarisch dar.

Anfang 1959 folgte Die Krise der Erziehung, wo sie die Erziehungsfrage Als politisches Problem darstellt, das nicht einer Spezialwissenschaft - wie der Pädagogik - allein überlassen werden darf. In ihrem Buch Vita activa (1960) entwickelt sie u.a. eine radikale Sozialkritik an den Erscheinungen der bürgerlich-industriellen (amerikanischen) Gesellschaft. Nach dem Zusam menbruch des "real existierenden Sozialismus" erklärt sich in Zusammenhang der vorangegangenen Analyse der totalitären Gesellschaft die politische Aktualität Hannah Arendts.

Im Auftrag der Zeitschrift The New Yorker verfolgte Hannah Arendt in Jerusalem den Eichmann-Prozess. Ihre Berichte erschienen (1963; deutsch 1964) nach Abschluss des Prozesses in Buchform (Eichmann in Jerusalem) mit dem Untertitel Bericht von der Banalität des Bösen. Das Buch rief eine heftige Kontroverse hervor, weil sie an Eichmann nichts "Teuflisch-Dämonisches" , sondern sehr viel Normal-Banales fand.

Seit Frühjahr 1959 lehrte Hannah Arendt als Ordinarius an der Universität Princeton Politik und Geisteswissenschaften. 1959 wurde ihr der Hamburger Lessing-Preis, 1967 der Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen.

1975 war sie zum letzten Mal in der Bundesrepublik um an einer Podiumsdiskussion zu der frage , ob es in der Politik unter Umständen erlaubt, vielleicht sogar legitim sei, zu lügen. Am 4. Dezember 1975 starb Hannah Arendt (vermutlich) an einem Herzinfarkt. Bis zuletzt war sie als Professorin für Politische Philosophie in New York City tätig.


Der 3. Bauabschnitt des Berufsschulzentrums "Friesische Lücke" wird für die Hannah-Arendt-Schule überplant. Da aus städtebaulichen Gründen nur geringe Abweichungen von den Außengrundrissen zugelassen werden, muss versucht werden den spezifischen Raumbedarf in die vorhandene Architektur einzuplanen. Dabei zeigt sich, dass für Werkstättenanforderungen eher Verständnis beim Bauträger und den Architekten geweckt werden kann als für die spezifischen Anforderungen von Fachrichtungen wie Heil- oder Sozialpädagogik. Bis in die Gegenwart hinein wird von der Schule versucht, die innere Aufteilung von Räumen auf die verschiedenen Berufsfelder und Schularten zu optimieren. Die Werkstätten selbst entsprechen dagegen den neuesten Anforderungen und werden (vom neuen Schulträger - der Stadt Flensburg) ständig den Veränderungen angepasst.


1990

wird die Schule bis zur Neuwahl einer Schulleiterin kommissarisch von Annemarie Hermanns geleitet. Zur neuen Schulleiterin wird Ilse Charlotte Ziehmann gewählt.


1993/94

erlässt das Bildungsministerium einschneidende Veränderungen in der Sozialwirtschaft (neu: Berufsfachschule Gesundheit und Ernährung; Berufsfachschule Sozialwesen) und Sozialpädagogik (Abschaffung der Kinderpflegerinnen-Ausbildung; Schaffung der Berufsfachschule für Sozialpädagogik; Reform der Fachschule für Sozialpädagogik), die nach Übergangsregelungen spätestens 1995 in Kraft treten.


1994

wird der Neubau in der Friesischen Lücke bei gleichzeitiger Umgliederung von Schulzweigen der GBS an die Hannah-Arendt-Schule bezogen. Abweichend von der zwischen Stadt und Land getroffenen Regelung verbleibt das AVJ Nahrung bei der GBS.

Die Schule ist auf einmal von der Zahl der Lehrkräfte und der Schülerinnen- und Schülerzahl doppelt so groß wie bisher. Neue Binnenstrukturen werden nach und nach entwickelt.

Die Einführung des 2. Berufsschultages beginnt.


1996

wird die Ausbildung im Berufsfeld X (Gesundheitsberufe) entsprechend dem Konzept der Hand-lungsorientierung reformiert.

Die Stadt Flensburg übernimmt die Trägerschaft der Schule.


1997

Der vermehrte Berufsschulunterricht wird in fast allen Unterstufen der Berufsschule eingeführt.

Die Schule wird in Vertretung von Volker Sauerzweig geleitet.


1998/99

wird die Friseurausbildung wird reformiert.

Der vermehrte Berufsschulunterricht wird weitgehend nach dem sog. Schleswig-Holstein-Modell erteilt.

Zusammen mit der EUC-Syd wird mit Förderung der EU ein Pilotprojekt (ADAPT/Interreg I) zur grenzüberschreitenden Ausbildung gestartet.

 

Auszug aus S.46/47 der Broschüre "Erfahrungen aus ADAPT-Projekten in Schleswig-Holstein" herausgegeben von der BSH (Beratungsgesellschaft für Beschäftigung in Schleswig-Holstein mbH):

Inter cultural recipe Competence

(mit Teilprojekt: Grenzüberschreitendes Ausbildungsprojekt Koch)

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Zielsetzung des Projekts ist die Herausbildung eines qualifizierten Arbeitskräftepotentials der deutsch-dänischen - vom Tourismus geprägten - Grenzregion durch die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des touristischen Dienstleistungsangebots und die Förderung der Mobilität der Arbeitskräfte. Hierzu entwickelt die Hannah-Arendt-Schule in grenzüberschreitender Kooperation mit der Apenrader Berufsschule EUC SYD das projektorientierte Ausbildungsmodul ´Kochausbildung` in der Region Sonderjylland/Landesteil Schleswig sowie ein Sprachvermittlungskonzept.

...

Die Auszubildenden werden sensibilisiert für regionale Gerichte und können diese auch evtl, modifiziert in der Diätküche einsetzen. Sie haben die Möglichkeiten über Nahrungsdaten international zu kommunizieren.

...

 

Aus diesem Projekt entwickeln sich eine Vielzahl von EU-geförderten Projekten unter Beteiligung der Bildungseinrichtungen nördlich und südlich der Grenze und das heutige Netzwerk der dänischen und deutschen Berufsschulen in Sonderjylland und dem nördlichen Landesteil Schleswig-Holsteins.

1999

tritt die Neuordnung der Gastronomieberufe in Kraft.

Im Rahmen des Interreg II - Programms wird ein Projekt mit dem Seminariet i Aabenraa durchgeführt. Trotz unterschiedlicher Ausbildungsbedingungen und unterschiedlicher Voraussetzungen der Lernenden erweist sich diese Zusammenarbeit als so gut und erfolgreich, dass sie auch Rahmen von Interreg III fortgesetzt werden.